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14.03.2010

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Die Welt zu Gast bei Freunden
Von Franz Beckenbauer

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Die Welt zu Gast bei Freunden“ – dieser Slogan, den wir als offizielles Motto für die FIFA WM 2006 gewählt haben, ist eine große Herausforderung. Natürlich soll diese WM in erster Linie ein Festival des Fußballs sein. Er steht im Zentrum aller unserer Planungen und Maßnahmen. Daneben aber ist dieses Turnier die ideale Plattform, um Deutschland in einer konzertierten Aktion aller Bevölkerungs- und Gesellschaftsschichten als positiven und offenen Standort darzustellen. Diese WM bietet Deutschland die Riesenchance, sich der Welt als herzlicher Gastgeber zu präsentieren. Sie bietet die Chance, wie mein Kollege im OK-Präsidium Dr. Theo Zwanziger zuletzt anmerkte, „ein Verantwortungsbündnis für dieses Land zu schaffen“.

Eine solche Chance gibt es in den nächsten 50 Jahren nicht wieder. Deswegen ist unser ganzes Land bei diesem großen Gemeinschaftsprojekt gefordert. Wir alle sind Gastgeber bei dem Vorhaben, dieses Mega-Event mit Herz, Humor und Heiterkeit zu gestalten.

Der größte organisatorische Pluspunkt in unserem Gastgeberkonzept sind, ich betone dies ausdrücklich vor dem Hintergrund der jüngsten Experten- und Gutachterdiskussionen zu Beginn des WM-Jahres, unsere zwölf WM-Stadien. Sie sind die modernsten, sichersten und schönsten der Welt und stellen mit ihrer wunderbaren Atmosphäre das Herzstück der WM 2006 dar. Sie werden eine ideale Plattform sein, auf und mit der sich Deutschland als innovativer und zukunftsorientierter Standort in frischer Aufbruchstimmung präsentieren kann.

Die WM sei bei uns in besten Händen. Das sagen uns alle unsere ausländischen Gesprächspartner, die ich auf meinen vielen Reisen treffe. Gerade auch jetzt während unserer 31-Länder-Welcome-Tour zu den Teilnehmern an der FIFA WM 2006.

Es sind die großen Veränderungen auf der politischen Landkarte, die dieser Fußball-Weltmeisterschaft eine besondere Bedeutung geben. Seit 1990 sind viele Grenzen gefallen, die in der Vergangenheit zahllose Menschen an direkten Begegnungen gehindert haben. Deshalb ist es unser ganz besonderer Wunsch und unser großes Ziel, dass dieses WM-Turnier in einem offenen Deutschland und in einem offenen Europa auch zu einem Fest der Begegnung wird.

Diese Botschaft konnten wir bereits am 9. Dezember 2005 bei der Endrundenauslosung vermitteln: aus Leipzig, das 1974, als der DFB zum ersten Mal eine WM-Endrunde ausgerichtet hatte, im damals geteilten Deutschland zur DDR gehörte und inzwischen eines der deutlichsten Wahrzeichen für die friedlich erfolgte Veränderung der politischen Verhältnisse in Deutschland und in Europa ist.

Vorfreude wecken und diese Vorfreude steigern – das ist die Zielrichtung aller Kampagnen und Aktionen, die wir schon weit im Vorfeld der WM gestartet haben. Ein Hauptanliegen dieses ambitionierten Rahmenprogramms liegt dabei auf dem Schwerpunkt „Internationalität“.

So gingen zum Beispiel für den Kreativwettbewerb unserer Schulkampagne „Talente 2006“ 11000 Projekt-Anforderungen aus mehr als 50 Ländern aller Kontinente ein. International ist auch das von der Bundesregierung finanzierte Kunst- und Kulturprogramm – das bisher größte, das es überhaupt jemals bei einer WM gab. Und international ist das Volunteers-Programm, bei dem sich mittlerweile mehr als 40000 Kandidaten aus aller Welt für die benötigten 15000 Stellen als freiwillige Helfer angemeldet haben.

Wir wollen die WM 2006 in Deutschland nicht ideologisch überfrachten. Doch für mich ist sie ein Hinweis darauf, wie verschiedene Kulturen in den vergangenen Jahren in einem Europa mit vielen neuen Staaten zueinander gefunden haben. In Deutschland leben zu Beginn des 21. Jahrhunderts 82 Millionen Einwohner, darunter mehr als sieben Millionen Ausländer aus allen Regionen dieser Welt, friedlich nebeneinander. Und hier haben nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 Millionen Menschen in einer offenen Gesellschaft zueinander gefunden, die zuvor durch zwei völlig unterschiedliche politische Systeme geprägt und getrennt waren.

Dieser Wandel soll bei der WM 2006 spürbar und erlebbar werden. Daher kommt den Fans aus aller Welt eine besondere Rolle in unserem Gastgeberkonzept zu. Zusammen mit unseren deutschen Fans sollen sie für jene unverwechselbare Atmosphäre sorgen, die ein solches Großereignis erst unvergesslich werden lässt.



Herzliche Grüße


Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees Deutschland FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006


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